Die entwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Heike Hänsel, warf Niebel vor, er zeichne „ein völlig beschönigendes Bild“ der Lebenssituation in Afghanistan. „Nach über 10 Jahren sogenanntem Wiederaufbau ist Afghanistan heute weder politisch stabil, noch können die Grundbedürfnisse der Bevölkerung wie Zugang zu sauberem Wasser, Recht auf Nahrung, Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung garantiert werden“, sagte Hänsel. „Sicherheit gibt es nicht einmal mehr im Zentrum Kabuls, wie jüngste Angriffe und Bombenattentate in der Hauptstadt gezeigt haben.“

Verantwortlich für diese Entwicklung ist laut Hänsel die Koppelung von Hilfeleistungen an kurzfristige militärische statt entwicklungspolitische Ziele: „Diese Strategie ist auch in der US-Aufstandsbekämpfungsdoktrin verankert: Hilfsmaßnahmen sollen militärische Gewinne konsolidieren. Dies war von Anfang an kontraproduktiv und hat Entwicklung verhindert statt ermöglicht. Vertrauen in der Bevölkerung ist so nie entstanden. Auch Minister Niebel hat mit der stärkeren Anbindung von Hilfsorganisationen an das Militär dazu beigetragen. Die Zusammenarbeit mit einer korrupten Elite, die aus ehemaligen Warlords, Drogenbaronen und brutalen Milizenführern besteht, hat den dringend benötigten innerafghanischen Versöhnungsprozess verhindert und neue unterdrückerische und frauenfeindliche Machtstrukturen etabliert.“

Quelle: epo entwicklungspolitikonline