Das Wahlergebnis in Griechenland zeigt, ähnlich wie in Frankreich, dass auch die griechische Bevölkerung mehrheitlich das Spardiktat der EU ablehnt. Der Versuch der Bundesregierung, die griechischen Parteien trotzdem auf diese Politik der Verarmung festzulegen, kommt einer Erpressung gleich und missachtet den Wählerwillen. Griechenland ist mittlerweile ein Land im Ausnahmezustand. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 22%, unter Jugendlichen ist sogar jeder Zweite arbeitslos! Viele planen ihre Auswanderung. Drastische Lohn- und Rentenkürzungen bei horrenden Preisen lässt Ärzteorganisationen sogar vor einer ernsthaften humanitären Krise warnen. Die Depression und Enttäuschung ist in Athen deutlich spürbar.

Aber es gibt auch hoffnungsvolle Zeichen: im ganzen Land entstehen Initiativen der Solidarität, gemeinsame Volksküchen, Tauschhandel, Stadtteilkomitees, die sich gegenseitig helfen und Flüchtlinge unterstützen gegen rechtsradikale Hetze. Denn die Politik des Sozialabbaus hat leider auch zur massiven Stärkung neofaschistischer Kräfte geführt, die mit fast sieben Prozent ins griechische Parlament eingezogen sind. In der ersten Mai-Woche habe ich an Kundgebungen der Gewerkschaften und Veranstaltungen des erfolgreichen Linksbündnisses SYRIZA mitgewirkt. Bewegend war die Teilnahme an der Gedenkveranstaltung im Athener Stadtteil Keseriani, gemeinsam mit dem Liedermacher Konstantin Wecker. Dort waren am 1. Mai 1944 zweihundert Griechen von den Nazis ermordet worden. Bis heute gibt es für Massaker wie in Keseriani keine Entschädigung von deutscher Seite. Zu Keseriani hat Tübingen bereits gute Beziehungen. Unverständlich weshalb dem Schwäbischen Tagblatt unsere Teilnahme an der Gedenkveranstaltung keine Zeile wert war, im Gegensatz zur Tagesschau. Denn nur durch die Geschichte lässt sich verstehen, weshalb sich die griechische Bevölkerung gerade von der harten Haltung der Bundesregierung und der beleidigenden Propaganda deutscher Medien besonders gedemütigt fühlt.

Die Ankündigung der Blockupy-Aktionstage vom 16.-19. Mai im Frankfurter Bankenviertel erhielt auf allen Plätzen Athens viel Applaus. Das nun verhängte Verbot für fast alle Demonstrationen in Frankfurt ist ein Angriff auf unsere Grundrechte und ein weiterer Schritt der Entdemokratisierung in Europa. Deshalb, jetzt erst recht: am Samstag zur Demonstration nach Frankfurt, für ein solidarisches Europa!

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