Gerade komme ich von einer Reise durch Südamerika zurück. Im Musterland des Neoliberalismus, Chile, der durch die Pinochet-Diktatur vor 40 Jahren eingeführt worden war, habe ich erlebt zu welchen katastrophalen Folgen eine völlig ökonomisierte Gesundheitsversorgung führt. „Kranke versorgen Kranke“ heißt die Bezeichnung für die noch wenigen staatlichen Krankenhäuser für die arme Bevölkerung, in denen die Beschäftigten durch miserable Arbeitsbedingungen selbst krank werden und eine Pflegekraft für 45 Patienten alleine verantwortlich ist.

Das Muster ist immer das Gleiche: Privatisierung, Einsparungen beim Personal, Einschränkung der Grundversorgung. Überversorgung für Reiche, minimale Versorgung für Arme. Das zeigt: der Zugang zu menschenwürdiger Gesundheitsversorgung für Alle ist ein hohes Gut, das verteidigt werden muss.

Deshalb unterstütze ich die Forderungen der Beschäftigten des Uniklinikums Tübingen nach 6,9% Lohnerhöhung, mindestens 250 Euro im Monat mehr. Eine Politik, die an der falschen Stelle spart und damit vorsätzlich Personal verschleißt, die Zukunft von jungen Menschen in der Ausbildung aufs Spiel setzt und eine grundlegende Gesundheitsversorgung gefährdet, darf nicht hingenommen werden. Jeder und jede von uns kann schon morgen Patient/in sein, deshalb ist eine solidarische Unterstützung bei den Tarifauseinandersetzungen wichtig! Wir alle profitieren nämlich von guten Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern.

Groß waren die Versprechungen von Grünen und SPD vor der Landtagswahl. Sie sicherten zu, den Investitionsstau bei Krankenhäusern zu beenden und die jährlichen Mittel dafür zu verdoppeln. Davon ist die grün-rote Landesregierung jedoch meilenweit entfernt und wird damit ihrer gesetzlichen Aufgabe nicht gerecht.

Der 1. Mai steht in Tübingen dieses Jahr unter dem Motto: „Weniger Arbeiten – besser Leben – Arbeit fairteilen! Arbeitszeitverkürzung jetzt! Bei vollem Lohnausgleich!“. Gegen den europaweiten Sozialabbau und die „Krisenpolitik“ der EU sind vom 16. bis 19. Mai in Frankfurt die europäischen Tage des Protestes „BLOCKUPY Frankfurt“ geplant. Am 18. Mai wird eine Blockade der Europäischen Zentralbank und des Bankenviertels stattfinden, mit einer großen Demonstration am 19. Mai. Dorthin werden auch Busse aus Tübingen fahren. Ich würde mich freuen, viele Tübinger/innen bei den Mai-Protesten in Frankfurt zu treffen!

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