Süd-Nord Achse entwickeln

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Die Fraktion Die Linke unterstützt den Freiwilligendienst „weltwärts“, der nun seit fünf Jahren mehr als 10 000 jungen Menschen nach Schule oder Ausbildung einen Freiwilligendienst in den Ländern des Südens ermöglicht hat. Im Jahr 2011 gab es eine Evaluierung des „weltwärts“-Programms, und die Ergebnisse liegen seit Dezember in der Kurzfassung vor. Die Bundesregierung hat leider in den Haushalten 2010 bis 2012 einen finanziellen Aufwuchs für „weltwärts“ abgelehnt, aber immer mit dem Hinweis auf die ausstehenden Ergebnisse der Evaluierung. Nun gibt es eine Evaluierung, und sie fällt ermutigend positiv aus. Trotzdem gibt es im vorliegenden Antrag der Koalitionsfraktionen nur schöne Worte, aber keine Mittelerhöhung. Die Mittel stagnieren weiterhin bei 30 Millionen Euro jährlich. Die Linke unterstützt deshalb ausdrücklich den Antrag der SPD

(Zustimmung der Abg. Dr. Bärbel Kofler [SPD])

und fordert eine deutliche Erhöhung der Mittel für „weltwärts“, vor allem aber auch der Verpflichtungsermächtigungen für die kommenden Jahre, um Finanzierungsund Planungssicherheit für alle, für die Trägerorganisationen sowie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, zu ermöglichen.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

Aufgrund der unsicheren Finanzierung – das ist die Information, die wir alle bekommen haben – war es in den letzten Jahren oftmals so, dass viele interessierte Jugendliche abgewiesen werden mussten, die einen solchen Dienst eigentlich gerne angetreten hätten. Es gibt auch Kritik am „weltwärts“ Programm. Stichworte wie „Elendstourismus“, „zu wenig Betreuung und Begleitung vor Ort“, „Abenteueraufenthalt“ und vieles mehr sind gefallen. Die Qualität der Betreuung und Begleitung ist entscheidend für den gesamten Dienst. Es bedarf einer ausreichenden Finanzierung, Herr Riegert, damit sowohl Qualität als auch Quantität stimmen. Das schlagen wir alle vor.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

Für viele junge Menschen nämlich handelt es sich oft um den ersten großen Auslandsaufenthalt in ihrem Leben. Er wirkt sehr oft prägend. Das soll er auch. Deshalb ist eine verantwortungsvolle Begleitung notwendig. Wir fordern zudem, dass die Nord-Süd-Ausrichtung des Dienstes erweitert wird, um von einem gleichberechtigten Dialog sprechen zu können. Wir wollen – so wie es die SPD in ihrem Antrag formuliert hat –, dass auch junge Menschen aus den Ländern des Südens sowohl einen Freiwilligendienst hier in Deutschland antreten können als auch vor Ort in Projekten die Möglichkeit bekommen, gemeinsam mit einem Jugendlichen aus Deutschland Freiwilligenarbeit zu verrichten. Dadurch würde nach unserer Ansicht ein verbesserter direkter Dialog entstehen, mit der Möglichkeit des gegenseitigen Verständnisses und des Voneinanderlernens. Auch wäre es wichtig, verstärkt lokale Partner in den Ländern des Südens zu finden, die Teil sozialer Bewegungen sind und die sich vor Ort für soziale Rechte und Menschenrechte einsetzen.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

Wir fordern außerdem, dass Jugendliche – das wurde schon erwähnt – aus allen sozialen Schichten, mit unterschiedlichen Schulabschlüssen und unterschiedlicher beruflicher Ausbildung erreicht werden, zum Beispiel durch gezielte Vorstellung von „weltwärts“ an allen Schulen einschließlich Berufsschulen, Jugendeinrichtungen und Ausbildungsstätten. Auch muss überlegt werden, ob Jugendliche, die keinen Förderkreis zustande bekommen und für die eine Finanzierung durch das Elternhaus nicht möglich ist, zusätzlich unterstützt werden können, damit eben nicht – wie leider bisher Praxis – der Geldbeutel der Eltern über einen solchen Freiwilligendienst im Ausland entscheidet. Ich bekomme oft Anfragen, ob ich mich einem solchen Förderkreis anschließen will. Ich verfolge in Weblogs, was junge Menschen vor Ort erleben und was sie berichten. Ich glaube, das ist für alle bereichernd, auch für uns. Dieser Freiwilligendienst leistet einen konkreten Beitrag für mehr Solidarität und weltweite Verständigung.

Danke.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Thilo Hoppe [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

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