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Zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass die US-Amerikaner und Briten in Afghanistan den „Globalen Krieg gegen Terror“ begannen. Sie stürzten in den Wochen danach das Taliban-Regime, vertrieben al-Kaida aus ihren Ausbildungslagern und versprachen dem Land Sicherheit und Entwicklung. Der Westen installierte mit Präsident Hamid Karsai einen willfährigen und korrupten Statthalter, mittlerweile jedoch hält der Westen das Land mit über 130.000 Soldaten im Rahmen des ISAF-Einsatzes faktisch besetzt. Die teilweise gut gemeinte Hilfe geht an der akuten Not der Menschen vorbei: Jedes vierte Kind stirbt bevor es fünf Jahre alt wird, medizinische Versorgung auf dem Land existiert nicht und ein Drittel der Bevölkerung leidet chronisch an Hunger. Über 10.000 Menschen sterben jedes Jahr in einem schmutzigen Krieg, der sich von lokalen Aufständen in eine Art Flächenbrand entwickelt hat. Dabei agiert die ISAF jenseits von Völkerrecht und Strafgesetz, wenn sie vermeintliche Terroristen und Aufständische durch nächtliche Kommandoaktionen bekämpfen will, bei denen stets zahlreiche unbeteiligte Zivilisten sterben und die den allgemeinen Volksaufstand stets aufs Neue entfachen und befeuern, wie erst unlängst eine neue Studie zeigte.
Doch sowohl gegen die Karasi-Regierung, die sich auf die berüchtigtsten Warlords Afghanistans stützt und in Drogengeschäfte verwickelt ist, als auch gegen die Besetzung des Landes regt sich Widerstand: Diesem Widerstand verleiht eine mutige Frau, Malalai Joya, auch über Afghanistan hinaus eine Stimme, die gehört werden muss. Bereits als Abgeordnete des afghanischen Parlament und als Frauenrechtlerin machte Malalai Joya sich einen Namen, weil sie es wiederholt anprangerte, dass die schlimmsten Warlords im Parlament sitzen sowie Verwaltung und Justizwesen durchdringen. Diesen Leuten werden zahlreiche Kriegsverbrechen sowie die Verantwortung für den grassierenden Drogenhandel zur Last gelegt.
Malalai Joyas Videobotschaft zum zehnjährigen Jahrestag des Kriegsbeginns gemahnt uns daran, sie als Vorbild zu begreifen und auch in unserem eigenen Land alles dafür zu tun, um diesen schmutzigen Krieg zu beenden: Nein zur NATO und raus aus Afghanistan! Die Stimme des anderen Afghanistans ist nicht so laut und lärmend wie das Kriegsgetümmel, sie ist jedoch hörbar.

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