Zum Papstbesuch im Deutschen Bundestag erklärt Heike Hänsel, entwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke:

Ich werde nicht an der Papstrede im Bundestag teilnehmen und mich stattdessen an der Demonstration des Bündnisses „Der Papst kommt“ beteiligen.

Als Parlamentarierin kritisiere ich die fehlende Trennung zwischen Kirche und Staat und halte die extra vorgenommene Verschiebung der parlamentarischen Sitzungswoche für den Papstbesuch nicht für einen Beitrag zur Unabhängigkeit des Staates von kirchlichem Einfluß.

Als Mitglied der katholischen Kirche und ehemalige Theologiestudentin teile ich zahlreiche Kritikpunkte der Bewegung „Wir sind Kirche“ am Papstbesuch. Ein teurer Massenevent, der über die großen Defizite der katholischen Kirche und auch das theologische Wirken des Joseph Ratzinger hinwegtäuschen soll. Dieser Papst steht für die Stärkung des ultrakonservativen Netzwerks Opus Dei innerhalb der katholischen Kirche, für Vertuschung statt Aufklärung im größten Mißbrauchsskandal von Kindern und Jugendlichen, für die Hofierung von antisemitischen reaktionären Priestervereinigungen wie die Pius-Bruderschaft und die Fortsetzung einer homosexuellenfeindlichen Morallehre. Die Ausgrenzung und Diskrimierung von Frauen in der katholischen Kirche bzgl. des Priesteramtes ist inakzeptabel und muß endlich beendet werden. Als Entwicklungspolitikerin halte ich zudem das immer noch bestehende Kondomverbot in Zeiten von AIDS für verantwortungslos.

Joseph Ratzinger hat lange Jahre, als Präfekt der römischen Glaubenskongregation, den theologischen Kurs des Vatikans entscheidend verantwortet und geprägt. In seine Amtszeit fällt auch die massive Bekämpfung von progressiven theologischen Ansätzen in Lateinamerika wie die „Theologie der Befreiung“.

Eine offene Auseinandersetzung mit dem Papst ist im Bundestag nicht vorgesehen, daher werde ich nicht anwesend sein.

Advertisements