Internationales Frauentreffen in Kolumbien appelliert an europäische Länder

»Die Waffen müssen schweigen, damit wir Frauen sprechen können« und »Mein Körper ist mein Haus, mein Haus ist mein Territorium. Gib nicht die Schlüssel aus der Hand« sind zwei der Botschaften, die beim »Internationalen Treffen von Frauen und Völkern Lateinamerikas gegen Militarisierung«, das im August 2010 in Kolumbien stattfand, die Diskussion bestimmten.

Mehr als 1000 Frauen aus verschiedenen sozialen und politischen Organisationen Lateinamerikas, der USA und Europas diskutierten Strategien und Aktionsmöglichkeiten gegen die Militarisierung und Präsenz ausländischer Truppen in ihrem Land. Das Treffen fand zu einem wichtigen Zeitpunkt statt. Der Putsch in Honduras, Haitis militärische Besetzung, die Einrichtung von Militärbasen in Kolumbien und Panama sind nur einige Beispiele der fortschreitenden US-Einflussnahme in der Region.

Immer mehr Opfer sexualisierter Gewalt
Das Gastgeberland konnte nicht besser gewählt sein: Kolumbien, das 2009 ein Sicherheitsabkommen mit den USA unterschrieben hat, in dem auch die Bereitstellung von Militärbasen festgeschrieben ist. In Kolumbien führen US-Truppen mit der Armee und mit Paramilitärs seit 40 Jahren unter dem Vorwand der Drogenbekämpfung einen Kampf gegen sozialen Protest und Widerstand, der sich gegen Umweltzerstörung und Ausbeutung der Rohstoffe richtet. Die Folgen sind gewaltsame Vertreibung, massive Menschenrechtsverletzungen und Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen. Frauen sind am häufigsten Opfer dieser Entwicklung, weil mit der Militärpräsenz in der Region Sexismus, Prostitution und sexualisierte Gewalt zunehmen. In manchen Konfliktzonen Kolumbiens ist jede dritte Frau von sexualisierter Gewalt betroffen.

Hinzu kommt: Mehr als vier Millionen Binnenvertriebene müssen sich in den Armenvierteln der großen Städte Kolumbiens durchschlagen. Immer mehr Familien leben auf der Straße. Und auch hier müssen vor allem Frauen die Hauptlasten tragen.
Einige Frauendelegationen aus Europa und den USA begleiteten deshalb im Rahmen des internationalen Treffens kolumbianische AktivistInnen in Konfliktregionen, z.B. nach Cauca, Chóco, Antioquia, Magdalena Medio. Dort konnten sie direkt erfahren, wie sich der Konflikt auf das tägliche Leben auswirkt und wie stark bedroht viele der mutigen kolumbianischen Frauen sind.

Frauen fordern Ende der Militarisierung

So zum Beispiel eine der Organisatorinnen, Yolanda Becerra, Direktorin der Organisation Femenina Popular in Barrancabermeja. Zwei ihrer Vorgängerinnen wurden ermordet. Sie selbst erhält ständig Todesdrohungen von paramilitärischen Gruppen. Als zwei Männer ihr in ihrer Wohnung eine Waffe an den Kopf hielten, musste sie binnen 48 Stunden den Ort verlassen. Femenina Popular hilft Frauen, der Prostitution zu entfliehen, und kümmert sich um viele gestrandete Familien, die aus erdölreichen Regionen vertrieben wurden.

Oder Lilia Solano von der Organisation Gerechtigkeit und Leben, die erfolgreich eine rechtliche Überprüfung der Bereitstellung der Militärbasen für US-Truppen initiiert und erst vor ein paar Wochen ein Attentat in Bogota überlebt hat.

In ihrem Abschlussdokument fordern die Frauen ein Ende der Militarisierung ihres Lebens, wenden sich gegen die Instrumentalisierung von Frauen als Kriegsbeute und appellieren an die europäischen Länder, weiterhin Solidarität zu üben.

Heike Hänsel, Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, Sprecherin für Entwicklungspolitik

Weitere Informationen unter:
www.ofp.org.co (Femenina Popular)
www.colombianosporlapaz.com (KolumbianerInnen für den Frieden)

Aus: Querblick, Ausgabe 16

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