Als Vielfahrerin der Bahn ärgere ich mich häufig über Verspätungen, ausgefallene Züge und schlechte Anbindungen in ländliche Regionen: Folgen der Sparpolitik der Bahn. Statt in Personal, Wartung und regionalen Strecken wird lieber in Großprojekte wie Stuttgart 21 investiert. Die Kosten liegen jetzt bei fast 7 Milliarden Euro! Doch der Widerstand wächst von Tag zu Tag…

Stuttgart 21 ist längst nicht mehr nur der Streit um ein Bahnprojekt, sondern auch um Demokratisierung und Mitbestimmung – gegen die Arroganz der Macht. Mehr als 70% der Menschen in Stuttgart und fast 60% im Land lehnen es ab.

Und Stuttgart 21 wird auch zu einem Baden-Württemberg 21, wird es doch die Landtagswahl entscheidend beeinflussen. Da wird die Haltung der Tübinger SPD-Kandidatin interessant: bisher macht die SPD mit ihrer mehrheitlichen Unterstützung für S21 leider eher den Weg frei für eine schwarz-grüne Koalition in 2011. Da hat bereits unser grüner OB Palmer den Grundstein gelegt, als er ganz schlau 2004 im zweiten Wahlgang der OB-Wahl in Stuttgart zur Wahl des S21- Befürworters Schuster aufrief. Der dafür angeblich ausgehandelte Bürgerentscheid fand nie statt. Aber es gab Unterstützung der CDU für Palmer im Tübinger OB-Wahlkampf. Auch nicht schlecht.

Ein jetzt bekannt gewordenes Gutachten des Umweltbundesamtes kommt zu dem Schluss S21 müsse „umgehend gestoppt werden“, da es „kein Nadelöhr beseitigt, sondern neue schafft“ und dem Güterverkehr nicht nützt. Gerade eine Verlagerung der Güter von der Straße auf die Schiene ist aber notwendig!

Wir setzen uns auf allen Ebenen für einen sofortigen Stopp von S21 ein. Mehrkosten in Milliardenhöhe muss der Bund tragen. Auch dort kann S21 noch gestoppt werden. Und mit Ihrer Hilfe wollen wir das in Zukunft gerne auch im Landtag tun.

Vor einigen Monaten bin ich eine von mehr als 19 000 ParkschützerInnen geworden, die sich bereit erklären, 300 jahrhundertealte Bäume im Stuttgarter Schloßgarten, die gefällt werden sollen, aktiv zu schützen. Viele Menschen haben bereits den Stuttgarter Appell unterzeichnet, der ein Moratorium und einen Volksentscheid zu Stuttgart 21 fordert. In Stuttgart kann man sich heute abend um 20 Uhr an der Menschenkette vom Bahnhof zum Park beteiligen und täglich um 19 Uhr am „Schwabenstreich“, der am Montag zum ersten Mal auch in Tübingen stattfand… frei nach Gustav Heinemann: „Unruhe ist die erste Bürgerpflicht“!

Advertisements