Schwäbisches Tagblatt – 19.06.2009

Heike Hänsel, Bundestagsabgeordnete der Linken

Mehr als 200 000 Menschen in 120 Städten waren am Mittwoch bundesweit auf den Straßen, um für eine bessere und selbstbestimmte Bildung zu demonstrieren. Herzlichen Glückwunsch zu diesem großen und bunten Protest! Übrigens: Kein OB und kein Rektor haben versucht, die zahlreichen Fußballfans in Tübingen von den Straßen wegzuholen, die während der letzten Fußball-EM wiederholt stundenlang das Lustnauer Tor blockiert haben.

Umso mehr ist es zu begrüßen, dass Schüler/innen und Studierende, deren fehlendes Engagement ja oft genug beklagt wird, aktiv werden um zu zeigen, wie politisch überholt und systematisch unterfinanziert das ganze System ist. Durch die vollständige Verlagerung der Zuständigkeit auf die Bundesländer ist zusätzlich noch eine Kleinstaaten-Politik aus dem 19. Jahrhundert entstanden. Auf die Wirtschaft zugeschnittene Universitätsabschlüsse verkommen mehr und mehr zur reinen „Ausbildung“. Wo bleibt im Land von Goethe, Hegel und Hölderlin der gesellschaftliche Anspruch menschlicher Entwicklung, eine bestmögliche, umfassende und für alle zugängliche Bildung zu garantieren, die jenseits von Verwertungslogik ihren eigenen Wert hat?

Während sich der Bildungsetat im Bundeshaushalt auf circa zehn Milliarden Euro beläuft, wurden diese Woche im Verteidigungsausschuss allein für zwölf neue Rüstungsprojekte mehr als sieben Milliarden Euro beschlossen, darunter der milliardenschwere Eurofighter. Als einzige Fraktion hat Die Linke diese Rüstungsprojekte abgelehnt. Leider haben die Grünen gemeinsam mit den anderen Fraktionen für die meisten Rüstungsprojekte gestimmt.

Auch die Erzieherinnen und Erzieher wehren sich. Sie streiken gegen die sich ständig verschlechternden Arbeitsbedingungen, gegen steigende Belastung und viel zu geringe Bezahlung. Auch ihr Anliegen ist ein allgemein gesellschaftliches und muss uns alle interessieren, denn es geht um den Stellenwert von Kindern und sozialer Arbeit in unserer Gesellschaft. Und ich möchte deshalb auch an die Eltern, die durch die Streiks betroffen sind, appellieren, die Anliegen der Erzieher/innen zu unterstützen. Es ist doch entscheidend, dass das Wichtigste, nämlich die eigenen Kinder, das Beste bekommen: gut ausgebildete, gut ausgestattete und gut gelaunte Erzieher/innen.

Es ist gut, dass immer mehr Menschen sich für ihre Interessen einsetzen und gegen unsoziale Politik auf die Straße gehen!

Quelle: http://www.tagblatt.de/3199642

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