Sehr geehrter Herr Rech,

ich habe von der bevorstehenden Abschiebung der Familie Berisha erfahren. Die Familie ist vor den Kriegsfolgen 1992 aus dem Kosovo geflohen und lebt seit knapp 17 Jahren in Deutschland. Die drei minderjährigen Kinder sind alle in Deutschland geboren, dort zur Schule gegangen und sprechen nur deutsch.

Während die Verwandten nach und nach Aufenthaltserlaubnisse und schließlich die deutsche Staatsbürgerschaft erhielten, wurden die Asylanträge der Familie Berisha negativ beschieden. Der Asylfolgeantrag wurde 1999 ohne Durchführung eines weiteren Verfahrens abgelehnt.

Die älteste Tochter ist 15 und besuchte gerade eine Berufsschule, als im Januar 2008 behördlicherseits die Abschiebung des Familienvaters angekündigt wurde. Daraufhin gab die Familie erneut alles auf. Sie floh im Februar verzweifelt vor der drohenden Abschiebung, nicht zuletzt weil sie Grund zur Annahme hatte, dass sie im nach wie vor von Antiziganismus geprägten Kosovo Opfer von Gewalt werden könnte. Gegenüber den französischen Behörden hat die Familie Asylantrag gestellt und wahrheitsgemäß angegeben, dass sie 17 Jahre in Deutschland gelebt, aber keine Papiere bekommen habe. Ende August 2008 wurde die Familie dann zwangsweise nach Deutschland geflogen. Die kranke Mutter der Familie musste bei der Ankunft in Stuttgart ärztlich behandelt werden.

Seither ist die Familie getrennt. Herr Berisha ist der Abschiebehaft unterworfen, seine Frau und die Kinder wurden im badischen Heimatort untergebracht. Die 15-jährige Tochter sagte uns: „Wir schlafen jeden Tag mit Angst vor der Polizei ein“. Können Sie sich die Ängste und Probleme dieser Kinder vorstellen, denen ein Neuanfang in einem fremden Land aufgebürdet werden soll? In so eine Situation sollten Kinder in Deutschland nicht gebracht werden!

Ich bin betroffen vom Schicksal der Familie Berisha. Die Belastung, der diese Familie ausgesetzt ist, ist inhuman und muss vor allem im Hinblick auf das Wohl der Kinder und die Krankheit der Frau unverzüglich beendet werden. Die Abschiebung der Familie nach 17 Jahren in Deutschland ist unhinnehmbar. Ich fordere deshalb die umgehende Freilassung Herrn Berishas. Zudem darf die in einer familiären Notsituation beschlossene Ausreise nach Frankreich nicht als Hindernis für ein Bleiberecht gemäß §104a Aufenthaltsgesetz gewertet werden. Insgesamt deutet einiges darauf hin, dass im Schatten der so genannten ‚Altfallregelung‘, Menschen besonders drastisch abgeschoben werden. Hier muss meiner Meinung nach unverzüglich Abhilfe geschaffen werden.

Mit freundlichen Grüßen
Heike Hänsel, MdB

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Weitere Informationen:
www.gegen-abschiebehaft.org

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