Montag, 14. April 2008
Nahrungsmittelkrise in Haiti: strukturelle Ursachen bekämpfen
Pressemitteilung

Eine massive Unterstützung bei der Stärkung lokaler Produktion von Grundnahrungsmitteln fordert die entwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Heike Hänsel, die im vergangenen Herbst eine Bundestagsdelegation nach Haiti leitete, angesichts der Hungeraufstände vor Ort. Hänsel weiter:

„Die Entscheidung von Weltbank und anderen Gebern für umfangreiche Subventionen für Haiti, um den Preis für importierten Reis zu senken, ist nur kurzfristig eine wirksame Maßnahme. Mittel- und langfristig müssen aber die strukturellen Gründe angegangen werden, die dazu geführt haben, dass Haiti sich nicht selbst ernähren kann.

Mit der unter anderem von der Weltbank durchgesetzten Freihandelspolitik, insbesondere der drastischen Absenkung der Importzölle auf Grundnahrungsmittel wie Reis wurde die lokale Produktion kaputt gemacht.
Der zollfreie Handel mit Grundnahrungsmitteln nimmt den Menschen in den Ländern des Südens ihre Ernährungssouveränität. Haiti wurde auf diese Weise vom Selbstversorger zu einem hochgradig vom Weltmarkt und seinen Preisentwicklungen abhängigen Land – ein Bespiel, das für viele Länder steht. Die aktuelle Krise, die bereits sechs Tote gefordert hat und deren Nachwirkungen noch unabsehbar sind, hat vor allem damit zu tun. Deutschland und die EU aber setzen weiterhin auf Freihandel, beispielsweise im Rahmen der Wirtschaftspartnerschaftsabkommen.

Ernährungssouveränität, Förderung ländlicher Entwicklung zur eigenen Versorgung, nicht die Durchsetzung von Freihandel, muss vorrangiges Ziel von Handels- und Entwicklungspolitik werden. Hierauf sollte auch der Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit liegen.“

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